Mittwoch, 31. August 2011

Arthur, - du tust mir leid!

Wir wollen alle alt werden, aber nicht älter!!!

 Bild: topro as


Es ist mit Sicherheit nicht leicht dem Alter mit all`seinen Unannehmlichkeiten, ins Auge zu blicken. Der Körper wird schwach, die Glieder werden schwer, Gehör und Sehkraft lassen nach, altersbedingte Krankheiten stellen sich ein und eventuell "fällt" man ins "Vergessen" und wird Dement!
All DAS "an-zu-nehmen" und trotzdem einen gewissen Frohsinn zu behalten, ist wahrscheinlich für viele ein Problem.
Glücklich kann sich schätzen, wer von einem Familienangehörigen liebevoll begleitet und gegebenenfalls auch gepflegt wird.
Hochachtung an alle, die sich dieser Aufgabe angenommen haben, aber auch ein gewisses Mass an Verständnis für die Pflegenden, wenn mal!!!, durch Überlastung, nicht der richtige Ton "getroffen" wird!

Aber was ich erlebt habe, hat mir das Wasser ins Auge getrieben!!!!!

Arthur schätze ich um die 80 Jahre. Er ist stark behindert, wodurch hervorgerufen ,das weiss ich nicht. A. wurde von seiner Frau begleitet, die gut "im Futter" und noch relativ agil ist!
A. ist auf eine Gehilfe angewiesen, ähnlich einem überdimensionalem Rollator mit Auflehnfunktion. Die wenigen Schritte bis zum Tisch, legt er mit Hilfe seiner Frau zurück.
Arthur steht vor dem Stuhl und soll sich setzen. Irgendwie weiss er nicht was er tun soll und SIE keift: "Setz dich endlich, nun setzt dich, du sollst dich setzen, Arthur SETZ dich"! Aber A. begreift nicht und ein Spuckefaden hängt aus seinem Mund. Dieser wird von seiner Gattin mit solch einer Heftigkeit vom Mund geschlagen....anders kann ich es nicht bezeichnen, dass mir die Luft weg bleibt.
Bevor ich mich wieder "gefasst" hatte, sprang am Nebentisch ein junger Mann auf und bot seine Hilfe an. Die Alte schimpfte, dass ihr Mann nie mache was sie sagte. Darauf erwiderte der Helfer: "Aber das ist doch sein gutes Recht." Ich grinste in mich hinein.
Mit den Worten: " Na junger Mann, nun schiebe ich ihnen den Stuhl zurecht, dann können sie sich setzen," half er dem alten Herrn.
Arthur lächelte und flüsterte: "Junger Mann....hihihi....!" Er hat sich offensichtlich über die Worte sehr gefreut!
Der junge Helfer setzte sich wieder und als unsere Blicke sich trafen, zeigte ich den Daumen nach oben, - gut gemacht!

Die Geschichte ist hier nicht zu Ende, aber ich will mich kurz fassen:

Arthur griff immer ins Leere, als er seinen Kaffeebecher aufnehmen wollte und anstatt ihrem Mann die Finger an den Henkel zu legen, schob und drehte SIE die Tasse hin und her und rief immer:"Nun fass endlich den Henkel an, hier ist die Tasse, fass den Henkel an....!!!! Weisst du was? Du machst mich mit deiner Art, wahnsinnig!"

Ehrlich Leute,- mir stand die Galle bis zum Unterkiefer - aber ich habe nichts gesagt.

Dann legte A. seine Hand auf die seiner Gattin und ich war gerührt wegen dieser Geste, weil sein Weib ja nun wirklich nicht die Liebevollste ist,- aber sie entzog sich seiner Hand und giftete weiter.
Jetzt hatte er wohl "die Schnauze voll" und wollte gehen, aber er hatte seine Tasse nur zur Hälfte geleert, Grund genug für die Alte erneut zu zetern: "Ich nehme dich nicht mehr mit zum Kaffeetrinken, wenn du den Becher nicht austrinkst. Dann sag doch gleich das du nur eine Tasse willst, bleib sitzen, trink den Kaffee! Du machst mich wahnsinnig"!

In mir brodelte alles, am Liebsten hätte ich der Alten paar Takte erzählt, aber darf man das??? Hat sie heute nur schlechte Laune oder ist das ein Dauerzustand ? Ich war gehemmt...ich gebe es zu!
Das Weib befahl nun zu gehen, aber Arthur kam nicht aus seinem Sitz. Nun bin ich doch zugesprungen, habe den Herrn unter die Arme gegriffen und auf das "Kommando" 1,2,3- half ich ihm hoch und geleitete ihn zu seiner Gehhilfe.
Die Frau war auf einmal irre freundlich und bedankte sich überschwänglich. Ich dachte nur: "Du AR.....!!!!!

Ich habe so wenig getan und nun plagt mich mein Gewissen!

Kommentare:

  1. Tiny,
    leider passieren diese "Geschichten" allzu häufig.
    Ich habe dafür kein Verständnis, denn ich habe meinen Mann über 2 Jahre rund um die Uhr gepflegt.
    Er mußte künstich ernährt und öfter abgesaugt werden. Sicher, ich hatte die Diakonie, die mir viermal am Tag zur Seite stand. Er wurde gut versorgt und dankte es mit einem Blick oder einem schwachen Händedruck. Gesprochen hat er schon lange nicht mehr. Ich möchte diese Zeit nicht missen. Sie hat mir sehr viel gegeben. Ich habe mich nie beklagt. Es wäre mir niemals in den Sinn gekommen.
    Liebe Grüße sendet Dir
    Irmi

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  2. Deine Geschichte weckt mehrer Erinnerungen in mir , aber auch Ängste.
    Durch meine Berufserfahrung als Altenpfleger auf einer Pflegestation, sehe ich diese Angelegenheit wohl mit etwas anderen Augen, aber über eines bin ich mir heute schon im klaren... wenn es einmal „bei mir“ soweit sein sollte, möchte ich nicht den Launen meiner Frau ausgesetzt sein. Ich würde schon im Vorfeld dafür sorgen (falls möglich) dass ich in erfahrene Hände komme.
    Aber zurück zu „deiner“ Frau!
    Ich musste sofort an kleine Mädchen denken, die ihre Puppen Zwangsverdonnern sich ordentlich zu benehmen, artig zu sitzen oder stillzuhalten... etc.
    Was als Kind im Spiel angeeignet wird, wird oftmals im Alter gnadenlos umgesetzt!
    Deine Geschichte ist das beste Beispiel dafür!
    Zuerst muss das Spielzeug dran glauben, später die Kinder und zu guter letzt der Ehepartner... Hauptsache man hat was zu kommandieren!
    LG

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  3. ach tinney, so viel tekst, das kann ich als ausländer doch gar nicht lesen! bitte nächstes mal eine kurze version vor ausländer?:)
    tschüssssss!!!

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  4. Nb.
    Womit ich mit meinem Kommi „nichts“ verallgemeinern möchte!!!
    LG

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  5. Ein Erlebnis was mich auch sehr nachdenklich uns traurig stimmt! Solche Szenen habe ich grad jetzt im KH bei meiner Mutter oft erlebt und hab mir geschworen: so machst du das nie... Lieber mal auf die Zunge beißen, als einen alten Menschen so vorzuführen...

    Ich find es toll, dass du dem alten Herrn hochgeholfen hast- damit hast du schon eine ganze Menge getan!

    Liebe Grüße, Mae

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  6. Liebe TinnyMey...
    ich denke du brauchst kein schlechtes Gewissen haben denn es ist weiss Gott nicht einfach in solch einer Situation das Richtige zu tun.Ich arbeite ja auch in einer Seniorenwohnanlage und die Hälfte der Zeit arbeite ich mit Demenzkranken Bewohnern.Auch die Angehörigen werden mit einbezogen. Ich habe die Erfahrung gemacht, das viele Angehörige ihre Lieben schon sehr gerne daheim pflegen möchten aber sie wissen nicht wirklich was auf sie zukommt. Es erklärt ihnen aber auch niemand. Gerade die Dementen brauchen eine ganz spezielle Behandlung. Der geistige und körperliche Verfall ist bei keinem gleich und es muss einem klar sein, das diese Menschen nichts für ihren Zustand können. Es ist die Krankheit die schleichend aber unaufhaltsam diesen Menschen ihre Fähigkeiten nehmen. Dein Erlebnis mit der Frau war und ist sehr tragisch und ich denke, dass diese Frau total überfordert mit der Situation ist. Ihre Hilflosigkeit äußert sich in solch barschen Ton ihrem Mann gegenüber. Ich habe es oft erlebt. Auch denke ich, dass einige es einfach nicht akzeptieren, dass der Partner an Demenz erkrankt ist und deswegen nicht sehen und merken was sie ihren eigenen Angehörigen antun.Außerdem ist die Scham, seinen Mann/Frau ins "Altenheim" abzuschieben(wo er die angemessen betreut wird) sehr groß, so das man lieber diese schwere Bürde selbst schultert. Als Aussenstehender kann man in solch einer Situation nur unterstützend eingreifen wie z.Bsp. der junge Mann oder du es getan haben. Ich möchte aber das Verhalten dieser Frau keinesfalls gut heißen nur ein klein wenig verständlicher machen. Wenn es soweit gekommen ist, bräuchte auch sie ganz dringend Hilfe, das wäre für beide Seiten die beste Lösung.
    Ist jetzt ein langer Kommi geworden aber ich konnte es einfach nicht in wenige Worte fassen.
    GVLG-Jurika

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  7. Ist hier nun eigentlich schon alles gesagt worden bzw. sehe ich es auch so. Ein schlechtes Gewissen brauchst du nicht zu haben, denn was hättest du ändern können? Die positiven Momente haben dem Mann bestimmt schon sehr gut getan.

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  8. Hm, ich muss gestehen, ich weiß nicht, was ich gemacht oder nicht gemacht hätte. Ich denke mir, es ist besser von einer "keifenden Zicke" zuhause versorgt und noch zum Kaffee mitgenommen zu werden, als im Altersheim zu versauern... Oder? Oder nicht? Ich weiß es nicht... Aber leid tut mir Arthur auch...

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  9. Hey,:)
    ich habe Dir den Sunshine Award 2011 verliehen!
    <3 LG

    http://beyourself-be-you.blogspot.com/

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  10. die kommentare zu diesem post sagen schon sehr viel aus, und ich stimme eigentlich dem zu. mir tut der arme mann schon leid, aber was kannst du denn wirklich daran ändern? ich denke, du hast eine positive situation gegeben und das wird er zu schätzen wissen. *drück

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  11. ich nochmal...

    @-dieMia...
    fühl dich bitte nicht angegriffen...nicht in jedem "Altersheim" versauert man!!!
    Ich lade dich gerne mal in meine Plauderecke ein, da kannst du einiges über das Leben im Seniorenheim lesen, vielleicht änderst du dann deine Meinung.
    GVLG-Jurika

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  12. Es ist eine traurige Geschichte . Die Ehefrau scheint vollkommen überfordert zu sein und Arthur ist zu schwach. Leider!
    L.G.
    Mrs. Jones

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  13. Schlimm genug darüber zu lesen, keine Ahnung wie ich reagiert hätte. Ein schlechtes Gewissen brauchst Du nicht zu haben, was hättest Du denn noch machen können?
    Liebe Grüße

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  14. Ich bin echt geschockt, besonders weil ich seid Monaten zwischen meiner Familie/zu Hause und Ostfriesland wo meine Eltern wohnen hin und her pendele um meinen Vater bei der Pflege meiner Mutter zu helfen!
    Geschockte und traurige Grüße,
    Sabine

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  15. hab mir heut morgen die zeit genommen um die geschichte zu lesen.
    ich denke du hast gut gemacht nichts zu sagen denn dann würde sich der ehepartner erst recht bekümmert fühlen.
    du kannst lernen von dieser frau, dass wenn esmal soweit kommt, du anders handeln würdest.
    schade das es für viele leute so weit kommt.
    (entschuldige für das behummpeltes deutsch):)

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  16. Selbst wenn du vorher eingegriffen hättest ändert es nichts an der Tatsache, dass die Olle sich so oder so nicht ändert. Die macht so weiter wie gehabt. Ist schon traurig.
    LG Sabine

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Vielen Dank für die Zeit, die du dir für mich nimmst!